Die Sonne im Oktober 2014

01.11.2014 by

 

titelbild_okt14

Weltraumwetter aktuell

Eine der grössten Sonnenfleckengruppen, riesige Ausbrüche, aber trotzdem keine Sonnenstürme – die Sonne stellte im Oktober die Wissenschaft vor Rätsel.

 

Eine riesige Sonnenfleckengruppe

Nach einer unspektakulären Phase tauchte in der zweiten Monatshälfte die Sonnenfleckengruppe 2192 auf. Sie war riesig – so gross, dass man sie mit blossem Auge sehen konnte. Unten sehen Sie sie je einmal in sichtbarem Licht, als Magnetogramm und in ultraviolettem Licht.

 

Die grösste Sonnenfleckengruppe seit 24 Jahren

Die Sonnenfleckengruppe war grösser als sechzehn Erden zusammen. Gemäss SDO-Blog handelte es sich um die 33-grösste aktive Region seit 1874.  Damit gehört sie zu den Top-0.1 %.

Unten eine Grafik, welche die aktiven Regionen nach Grösse sortiert zeigt. Im Ganzen sollen hier 32 908 aktive Regionen dargestellt sein, die meisten im violetten Bereich. Die Sonnenfleckengruppe 2192 ist der schwarze Punkt rechts. Die feine schwarze Kurve ist der elfjährige Sonnenfleckenzyklus. Man sieht, dass fast in jedem Zyklus Fleckengruppen dieser Grösse vorkommen. Interessanterweise erschienen die grössten Sonnenfleckengruppen nicht während des grössten Sonnenmaximums  Ende der 1950er-Jahre, sondern im vorangegangenen Zyklus.

big_SS_area_plot_new

Grafik: Dean Pesnell, SDO-Blog

 

Starke Ausbrüche – keine Sonnenstürme?

Wie andere grosse Sonnenflecken produzierte dieser riesige Ausbrüche: 6 X-Flares und 25 M-Flares!

Aber hier kommt das Eigenartige: auf keinen dieser grossen Ausbrüche folgte ein koronaler Massenauswurf (ein sich im Weltraum verbreitender Sonnensturm). Nicht einmal auf den grössten von allen, einen X3-Flare, der sich ereignete, als sich der Riesenfleck genau gegenüber der Erde befand. Es hätten dabei riesige Mengen von geladenem Gas Richtung Erde geschleudert werden können. Aber auf die erhofften Polarlichter in mittleren Breiten warteten wir vergebens.

Ich habe die Heliophysikerin Marina Battaglia gefragt, warum auf diese grossen Flares keine koronalen Massenauswürfe (CMEs) folgten. Sie erklärte: Grundsätzlich sind Flares und koronale Massenauswürfes beide Ausdruck einer Veränderung im Magnetfeld einer aktiven Region. Man ist sich aber mittlerweile ziemlich einig, dass nicht das eine Ursache des anderen ist. Man kann also nicht erwarten, dass man mit einem Flare auch automatisch einen CME hat.

Grundsätzlich treten aber bei grösseren Flares eher CMEs auf. Warum das bei einigen trotzdem nicht passiert, ist nicht ganz klar. Es hat sicher mit der Konfiguration des Magnetfeldes zu tun. Das hat aber nichts mit der Stärke der magnetischen Aktivität zu tun. Man kann es vielleicht so formulieren: Es kann grosse aktive Regionen mit komplexen Magentfeldern geben, welche aber nicht günstig für CME’s sind.

 

Die Wissenschaft steht vor einem Rätsel

Der oben erwähnte Flare sieht auf den ersten Blick nicht anders aus als andere seiner Grösse. Bisher ist man davon ausgegangen, dass je grösser ein Flare ist, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass darauf ein CME folgt. Hier trifft diese Annahme überhaupt nicht zu.

Die Autoren des Artikels  ‘A Record-Setting CMEless Flare’ (eine rekord-brechende Eruption ohne Massenauswurf), Sam Freeland und Greg Slater, ziehen darin den Schluss, dass dieses Ereignis ernsthaft bestehende wissenschaftliche Flare-Modelle in Frage stellt. Sie erwarten, dass das Phänomen viele Forschungsaktivitäten hervorrufen wird.

 

Sonnenmaximum: Am 30. Oktober verschwand der Riesenfleck wieder hinter dem Westrand der Sonne. Aber  nicht für immer. Nach seinem Durchgang hinter der Sonne wird er in ca. zwei Wochen wieder auf unserer Seite erwartet.  Trotz der grossen Fleckengruppe sieht es so aus, dass das Sonnenmaximum bereits hinter uns liegt.

sunspot

Die Entwicklung des 24. Sonnenfleckenzyklus

Sollten Sie diesen Artikel zu einem späteren Zeitpunkt lesen, finden Sie eine aktualisierte Grafik auf www.swpc.noaa.gov/SolarCycle/

 

Leave a Reply