Sonnenstürme im September?

07.08.2013 by

 

Startbild Sonnenstuerme im September 2013

Weltraumwetter aktuell:
Kann man Sonnenstürme voraussagen?

Zur Zeit suchen viele Leute nach Informationen betreffend der Sonnenaktivität im kommenden September. Offenbar gibt es Berichte über riesige Sonnenstürme, die zu erwarten seien. Eigenartig, dachte ich. Woher soll man wissen, wie aktiv die Sonne in einem bestimmten Monat sein wird?

Ich fragte die Sonnenphysikerin Marina Battaglia. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit Sonnenausbrüchen und gehört zum Forschungsteam des Röntgeninstruments STIX, das 2017 an Bord der Weltraumsonde Solar Orbiter in Richtung Sonne fliegen wird. Für wie lange kann man die Sonnenaktivität überhaupt voraussagen?

 

Marina Battaglia: Höchstens für die nächsten 72 Stunden. Das ist etwa die Zeit, die ein Sonnensturm braucht, bis er die Erde erreicht. Wenn er sie überhaupt trifft. Auch das kann nicht mit 100%iger Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden, denn ein Sonnensturm breitet sich wegen der Drehung der Sonne spiralförmig aus. Wie die Spirale verläuft, hängt wiederum von der Geschwindigkeit des Sturmes ab. Diese verändert sich im Verlauf der Ausbreitung des Sonnensturmes durch das Sonnensystem.

 

Das Weltraumwetter ist recht komplex. Das ist ja mit den Wettervorhersagen auf der Erde genau so. Man sieht eine Kaltfront kommen, dh. man kann sagen, in 2 Tagen wird es wahrscheinlich regnen. Aber wie stark, und wo genau, und für wie lange kann man nicht sagen. Noch weniger können Gewitter vorhergesagt werden. Und schon gar nicht würde jemand im August für den, sagen wir, 7. Oktober einen Herbststurm vorhersagen. Mit der Sonne ist es in etwa dasselbe.

 

Im grossen Rahmen kann man hingegen voraussagen, in welchen Jahren die Sonne eher aktiv und in welchen sie ruhig sein wird. Diese Voraussagen sind möglich, weil man über mehrere Jahrhunderte Sonnenflecken beobachtete, aufgezeichnete und so den elfjährigen Sonnenfleckenzyklus entdeckte. Wir wissen, dass wir gegenwärtig nahe dem Aktivitätsmaximum sind und häufigere, stärkere Ausbrüche zu erwarten sind. Wann sie sich genau ereignen und wie stark sie sein werden, kann man anhand des Sonnenfleckenzyklus jedoch nicht sagen. Das aktuelle Sonnenmaximum ist viel schwächer, als wir erwartet hatten.

 

Auf der Webseite spaceweather.com bekommt man in der linken Spalte die aktuelle Weltraumwetter-Situation und ganz unten eine Vorhersage für die nächsten 48 Stunden.

 

Dort sieht man, dass der Sonnenwind im Moment eine mittlere Geschwindigkeit hat und es keine grossen ‘Löcher’ in der Sonnenatmosphäre gibt, aus denen verstärkt Sonnenwind ausströmen könnte. Auf der Seite der Sonne, die der Erde zugewandt ist, gibt es nur wenige, kleine Sonnenflecken, so dass die Wahrscheinlichkeit für einen grossen Flare oder einen koronalen Massenauswurf in den nächsten Tagen sehr klein ist. Insgesamt sind das sehr ruhige Konditionen.

 

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Marina Battaglia

Dr. Marina Battaglia ist Sonnenphysikerin am Institut für 4D-Technologien an der Hochschule für Technik in Windisch. Neben ihrer Forschungstätigkeit berät sie als Mitglied des STIX-Teams das Softwareteam in wissenschaftlichen Fragen. Sie studierte und doktorierte an der ETH Zürich. Danach forschte sie als Honorary Research Fellow an der School of Physics and Astronomy der University of Glasgow, bevor sie 2012 in die Schweiz zurück kehrte.

http://www.fhnw.ch/personen/marina-battaglia

 

 

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