HELIO – das Europäische Tor zur Sonne

10.06.2013 by

News aus dem Institut: Das Heliophysics Integrated Observatory (HELIO) ist ein Europäisches Forschungsprojekt, welches Sonnenforscherinnen und -forschern dabei hilft interessante Sonnenbeobachtungen zu finden. Oft steht zu Beginn eine Annahme, beispielsweise, dass eine Beobachtung eines Nordlichts mit einer bestimmen Eruption auf der Sonne in Verbindung steht. Nun versucht man diese Annahme mit Beobachtungen von möglichst vielen Sonneninstrumenten zu untermauern oder aber zu widerlegen.

Zur Zeit gibt es mehr als 260 Instrumente, welche die Sonne beobachten. Sie fliegen entweder auf einem Satelliten durchs Weltall oder sind an verschiedenen Orten über die ganze Welt verteilt. Eines davon steht im aargauischen Bleien. Das eher kleine Radio-Teleskop wird von der ETH Zürich betrieben, die Daten verwaltet die FHNW. Zu den Satelliten gehören der teilweise in der Schweiz gebaute Reuven Ramaty High Energy Solar Spectroscopic Imager (RHESSI) und eines Tages auch der kürzlich im Sonnenblog vorgestellte “Solar Orbiter“.

Diese Instrumente liefern ganz unterschiedliche Beobachtungen. Einige beobachten die ganze Sonne, andere nur einen Ausschnitt oder sonst einen Bereich unseres Sonnensystems. Einige Instrumente arbeiten wie Fotokameras mit sichtbarem Licht, andere beobachten die von der Sonne erzeugten Röntgenstrahlen oder sie zählen die Anzahl Teilchen, welche von der Sonne ins Weltall geschleudert werden. Untenstehendes Bild zeigt eine Reihe von Beobachtungen vom RHESSI Satelliten sowie die Aufzeichnungen des Radioteleskops in Bleien während der Sonnenfinsternis von 1999.

rhessi

Beispiel Röntgendaten: Ein Flare beobachtet mit dem Satelliten Rhessi. Jedes Bildchen zeigt den Flare in einer anderen Wellenlänge im Röntgenbereich.

 

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Beispiel Radiodaten: Die Sonnenfinsternis beobachtet mit dem Radioteleskop Phoenix in Bleien, AG

Die grosse Anzahl der Instrumente und die verschiedenen Arten von Beobachtungen machen es für eine Einzelperson fast unmöglich alle interessanten Daten zu finden. Deshalb wurde HELIO entwickelt. Es hilft bei der Beantwortung einiger Fragen:

  • Was für Ereignisse sind auf der Sonne geschehen oder wurden im Sonnensystem beobachtet?
  • Gibt es vergleichbare Erreignisse, welche für die Forschung interessant sein könnten?
  • Welche Instrumente könnten nützliche Beobachtungen gemacht haben?
  • War ein Instrument zu einem bestimmten Zeitpunkt überhaupt in Betrieb?
  • Hat es den richtigen Ausschnitt der Sonne oder der Heliosphäre beobachtet?
  • Kann man auf die entsprechenden Beobachtungsdaten irgendwie zugreifen?

Erschwerend kommt hinzu, dass das Licht von sichtbaren Ereignissen auf der Sonne bereits nach etwas mehr als 8 Minuten auf der Erde eintrifft, andere damit verbundene Effekte, wie beispielsweise das Polarlicht, sich aber erst nach Stunden oder gar Tagen beobachten lassen. Da sich die Sonne und die Erde um die eigene Achse drehen und die Erde um die Sonne kreist ist es fast unmöglich präzise vorauszusagen wann und wo ein bestimmtes Erreignis eintreffen wird. HELIO stellt entsprechende mathematische Modelle zur Verfügung um die Forschenden auch bei solchen Fragestellungen zu unterstützen.

HELIO wurde von 12 Partner-Organisationen in Europa und Amerika entwickelt. Jedes Team hat dabei sein eigenes Fachwissen ins Gesamtprojekt eingebracht, so dass HELIO von Personen aus verschiedenen Spezialgebieten verwendet werden kann. Das i4Ds war vor allem auf der Seite der Informatik massgebend am Projekt beteiligt. Wir hatten die technische Leitung inne und haben in diesem Rahmen die einzelnen in verschiedenen Ländern entwickelten Komponenten zu einem Ganzen zusamengefügt. Zudem wurde das Web-Portal, über welches auf die Sonnendaten zugegriffen werden kann, von Informatik- und Design-Fachleuten der FHNW entwickelt.

Das Projekt wurde Ende 2012 offiziell beendet, wird aber von verschiedenen Partnern im Rahmen von Folgeprojekten weiterentwickelt.

Die Europäischen Partner im Projekt HELIO

Die europäischen Partner im Projekt HELIO (Google Earth)

Wer sich HELIO selber einmal anschauen will, kann das auf http://hfe.helio-vo.eu/Helio/ tun.

In folgendem Video erklärt uns der Astrophysiker David Perez wie er mit HELIO arbeitet:
HELIO Integrated Observatory auf Youtube

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