Wenn an unterschiedlichen Standorten der gleiche Studiengang gelehrt wird, sollen auch die Standards die Gleichen sein. Diesen Grundsatz, der fachhochschulweit gelebt wird, haben die Dozierenden der Wirtschaftsinformatik für den Studiengang Betriebsökonomie mit einem innovativen Unterrichtsmodell ganzheitlich umgesetzt. Die Harmonisierung startete als Pilotphase im Frühjahrssemester 2010. Seit gut einem Jahr werden nun die 370 Studierenden der Betriebsökonomie von sieben Dozierenden nach dem neuen Modell unterrichtet, das sich an den folgenden Prinzipien orientiert:
Chancengleichheit, Transparenz und Qualität
Die Initiative zur internen Harmonisierung kam von Hanspeter Knechtli und Achim Dannecker. Im Zentrum der Bemühungen der Gruppe stand und steht die Qualitätssicherung in der Lehre. Die Grundausbildung an den Standorten wurde auch schon vor der Initiative bis zu einem gewissen Grad abgestimmt. Dies war den Dozierenden aber schlicht zu wenig. Lerninhalte und Prüfungen sollten systematisch standortübergreifend und in grösserem Masse abgeglichen werden. So geht die Harmonisierung heute weit über das gemeinsame Lehrbuch hinaus: “Zu Beginn des Semesters verteilen wir Aufgaben, die Dozierenden sind in der Verantwortung dafür, Übungen zu gestalten, die Moodle-Fragen zu kontrollieren, Foliensätze zu überarbeiten, zu aktualisieren, neue Übungen aufzumachen und dem Lehrbuch oder den E-Tutorials anzupassen.“, erklärt Dannecker. Die Arbeit wie z.B. die Kurserstellung auf der HSW-Lernplattform „Moodle“ oder die Erarbeitung des Unterrichtsmaterials wird dabei auf die beteiligten Dozierenden aufgeteilt, die ihre Ergebnisse wieder der Gruppe zur Verfügung stellen. Im Endeffekt werden die einzelnen Materialien vielleicht zu 10-15% individuell angepasst. Von einheitlichen E-Learning-Kursen über gemeinsame Übungen; vom Begleitmaterial für die Prüfungen über E-Tutorials bis zu dem im Unterricht verwendeten Basisfoliensatz ist alles vorbesprochen und abgeglichen.
Die Koordination erfordert freilich einen zeitlichen Mehraufwand. „Dieser wird aber wettgemacht durch die Zeit, die man sonst individuell für Arbeiten auf der Lernplattform oder für das Vorbereiten von Folien verwenden müsste. „Der Initialaufwand ist geringer und man kann sich auf das Wesentliche, auf das Unterrichten konzentrieren.“, berichtet Dannecker. Die Dozierenden profitieren aber vor allem von Synergien durch den Wissensaustausch, der explizit vor, während und nach Abschluss des Semesters erfolgt.
Zentral für die Wirtschaftsinformatiker ist insbesondere, dass alles, was notenrelevant ist, standortübergreifend gleich behandelt wird und für alle transparent ist, wie Dannecker erklärt: „Ein wichtiger Punkt ist, dass wir an allen Standorten zur gleichen Zeit die gleiche Prüfung abhalten.“ Ebenso trifft dies auf Bonuspunkte zu, welche sich die Studierenden im Laufe des Semesters erarbeiten können.
Die tiefgreifende Harmonisierung bewirkt aber nicht nur Chancengleichheit unter den Studierenden der verschiedenen Standorte. Das Unterrichtsmodell macht die Lehre auch transparent und sichert somit deren Qualität. Die Dozierenden erhalten einerseits Peer-to-Peer-Feedback, indem sie sich gegenseitig im Unterricht besuchen. Andererseits gibt auch der Notenspiegel aufgrund der einheitlichen Prüfungssituation ein aussagekräftiges Feedback: Ist bei einem Dozierenden der Notenschnitt über längere Zeit markant tiefer, wird reagiert: „Wenn der Dozierende nicht den Qualitätsmerkmalen entspricht, die wir uns gesetzt haben, dann stellen wir den Dozierenden zur Disposition.“, so Dannecker. „Wir haben auch schon Dozierende ausgewechselt.“, berichtet der Initiant aus Basel weiter. Eine direkte Folge und ein Beweis für den Erfolg der Harmonisierung ist das geringe Notengefälle zwischen den Standorten.
Ein Unterrichtsmodell macht Schule
Dass ein harmonisiertes Unterrichtsmodell als erstes von Wirtschaftsinformatikern erfolgreich umgesetzt wird, erstaunt indes nicht. Kaum eine Hochschuldisziplin stellt derart hohe Anforderungen, was die Konzeption der Lehre betrifft, wie die Wirtschaftsinformatik. Stärker als traditionelle Fachgebiete ist die noch junge Disziplin stetem Wandel unterworfen. Als Hybrid zwischen Wirtschaft und Informatik greift das Fach thematisch weiter nach allen Seiten aus. Die Offenheit und die hohe Dynamik der Wirtschaftsinformatik erschweren es grundsätzlich, der Lehre ein klares Profil zu verleihen. Das Unterrichtsmodell der Wirtschaftsinformatik im Studiengang der Betriebsökonomie an der HSW verleiht der dynamischen Disziplin aber Konstanz, es fördert Transparenz und Qualität der Lehre sowie Chancengleichheit – Ein Unterrichtsmodell, das Schule machen kann, wo an mehreren Standorten unterrichtet wird. Die Mittel zur standortübergreifenden Arbeit sind an der FHNW gegeben: Neben den persönlichen Meetings arbeiten die Dozierenden vor allem mit dem gemeinsamen Verzeichnis, dem Shared Folder der FHNW, wo die Originaldateien zu den Übungen, Videos, Tutorials, die im Unterricht verwendet werden können, abgelegt sind. Weiter erfolgt der Unterricht eng verknüpft mit der Lernplattform „Moodle“, worin die Inhalte jedes Jahr angepasst und weiter verbessert werden.
Das learning.lab bedankt sich bei Achim Dannecker für das Interview.

