Seit Beginn unseres Projektes wird der bestehende Bedarf einer Definition von Social Media immer wieder thematisiert. Vor einiger Zeit haben wir eine erste Definition gewagt. Und diese Definition wurde inzwischen weiterentwickelt – ebenfalls über Social Media, wie Kommentare im Blog, auf Yammer und in Diskussionen im Projektteam. (Einen Einblick in diese Weiterentwicklung bietet der Artikel „100 Tage Doing Social Media“)

Schnell kam die Frage auf: Ist eine Definition von Social Media überhaupt möglich? Unsere Erfahrungen aus den Fokusgruppen zeigen: Social Media sind immer im Wandel, ein Beispiel dafür ist die Diskussion um content. Verdeutlichen lässt sich dies an einem Auszug aus unserer Fokusgruppe mit Studierenden zur Frage, ob Social Media eher Inhalt- oder Personen-orientiert sind:

StudentIn 1: “also für mich ist zum Beispiel Facebook Personen-orientiert nicht wirklich Inhalt-orientiert und eine Kooperationsplattform wie project place ist für mich klar Inhalt-orientiert.” […]

StudentIn 2: “Facebook mixt das ein bisschen […] man kann auch Gruppen machen auf Facebook wo es dann auch plötzlich ums Thema geht und nicht primär ‘wer bin ich'”

StudentIn 3: “also die Trennung finde ich jetzt ein bisschen schwach” […]

StudentIn 4: “ich finde die Aussage ist schon überholt in einer Art […] ich hab eigentlich das Gefühl, das ist sich jetzt laufend am Verändern und drum ist die Trennung mittlerweile nicht mehr sauber zu machen, sondern Facebook bietet beides an und dann haben wir so Plattformen, die wirklich auf beides ausgerichtet sind. […] was ist es dann, content oder Personen orientiert? […] man hat einfach beide Möglichkeiten. […] heutzutage, hab ich das Gefühl, vermischt sich das alles.”

Diese Passage zeigt zweierlei: Zum einen die Schwierigkeit, Social Media und deren Funktion(en) zu beschreiben, zum anderen aber auch die Dynamik, welche mit Social Media einhergeht. Auf beide Aspekte soll im Folgenden eingegangen werden. (mehr zu den Ergebnissen aus den Fokusgruppen hier)

Wir schlagen, aufbauend auf unseren bisherigen Ergebnissen, eine dynamische Definition von Social Media vor, weil das Phänomen, das wir definieren, dynamisch ist. Das bedeutet, dass unsere Definition nicht, wie das sonst der Fall ist, Anspruch auf dauerhafte und allgemeine Gültigkeit erhebt, sondern vielmehr eine Momentaufnahme darstellt. Aber auch aus einer zweiten Perspektive ist die Definition dynamisch: Weil wir sie auch in Zukunft aufbauend auf einer stetigen Diskussion weiterentwickeln.

Aktuell lautet unsere Definition Social Media

  • Social Media sind internetbasierte Medien, die es Nutzern und Nutzerinnen ermöglichen, einzeln oder gemeinsam mediale Inhalte zu gestalten, zu rezipieren, untereinander auszutauschen und zu kommentieren (user generated content).
  • Geprägt werden Social Media durch zwei Schichten: Die eine Schicht bezieht sich auf den Inhalt, den „content“. Dieser wird durch zwei Bereiche geprägt: Themen und Personen. Die Gewichtung dieser beiden Bereiche kann je nach Tool und dessen Nutzung variieren.  Die zweite Schicht bezieht sich auf die Aktivitäten, also das  „user generated“. Drei Aktivitätstypen sind vorzufinden: rezipieren (lesen, klicken), generieren (schreiben, sammeln, zusammenfassen, neues Entwickeln, Fotos und Videos posten), kommentieren (auch: crossposten, auch: Verlinken auf andere Themen, somit schneidet sich das, je nach Ausprägung auch wieder mit dem Generieren).

Die Definition wird ergänzt durch Zentrale Merkmale aus der Perspektive Lehren und Lernen:

  • Soziale Interaktion (Kommunikation und/oder Kollaboration) wird ermöglicht, dabei  werden mediale Monologe (one-to-one/one-to-many) durch Dialoge (many-to-many) erweitert oder abgelöst.
  • Social Media ermöglichen die Demokratisierung von Inhalten: Inhalte können von allen zur Verfügung gestellt und genutzt werden. Bestehende Hierarchien werden aufgebrochen und teilweise durch neue soziale Strukturen abgelöst.
  • Social Media können sowohl im formalen als auch im informellen Lernen eingesetzt  und genutzt werden.

Diese Definition soll, wie oben angesprochen, weiterhin dynamisch sein. Wir freuen uns also über Kritik, Kommentare und Anregungen.

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