Seit zwei Monaten forscht unser Team nun schon zum Thema Social Media. Und ein erster Eindruck hat sich inzwischen bestätigt: Fast alle nutzen Social Media, aber kaum jemand weiss genau, was das eigentlich ist. Im Folgenden möchte ich – stellvertretend für das Team – auf der Basis der Ergebnisse der Fokusgruppen, einen Vorschlag für eine Definition von „Social Media“ wagen.

Ein kleiner Zeitsprung zurück: Vor Beginn der Initiative erzählte ich einem Kollegen, dass ich bald in einem Projekt zu Social Media in der Lehre arbeiten würde. Er meinte daraufhin, dass er nicht auf Facebook sei. Facebook – das war seine Vorstellung von Social Media (dieses Gespräch inspirierte übrigens zum Comic des Blogartikels  “Mitmachen erwünscht! – Mit den eigenen Erfahrungen und Ideen zur Entwicklung neuer Lehr- und Lernszenarien beitragen”). So fragte ich mich schon vor Beginn des Projektes: Wissen wir überhaupt was Social Media sind? Und wissen das die Studierenden und Lehrenden der FHNW?

Ein Ziel der Initiative ist es, herauszufinden, welche Social Media wie und zu welchen Zwecken an der FHNW eingesetzt und genutzt werden. Doch wie kann ich im Rahmen der geplanten Online-Befragung (siehe Forschungskonzept) nach Social Media fragen, wenn vermutlich unklar ist, was darunter verstanden wird? Auch die FHNW befasst sich mit Social Media, allerdings eher auf einer allgemeinen Ebene und weniger mit Bezügen zur Lehre. Hier scheint ein Desiderat zu bestehen. Darüber hinaus ist es schwer, eine für die Lehre gültige Definition von “Social Media” zu finden. Ist diese überhaupt möglich?

Im Team diskutierten wir diese Knacknuss und entschieden uns dafür, vor allen anderen Projektschritten zunächst einmal Fokusgruppen durchzuführen. In diesen wurde das Verständnis von Social Media intensiv diskutiert (weitere Ergebnisse hier). Und es hat sich gezeigt: Mein Kollege lag gar nicht so falsch. Tatsächlich gab es bereits im Vorfeld Bedarf für Begriffserklärungen, wie folgende Schilderung zeigt: „Was versteht ihr eigentlich unter Social Media? Weil ich assoziiere das sofort mit Plattformen wie Facebook und Twitter und hab sofort geschrieben DAS ist für mich was absolut Überflüssiges.“ (Zitat Fokusgruppe 3) Mich persönlich hat das einerseits erstaunt und zugleich in meinen Bedenken bestätigt: Mit Social Media wird vorwiegend Facebook assoziiert und in allen drei Fokusgruppen wurde das Tool als erstes genannt (gefolgt von Twitter), obwohl wir ganz allgemein nach Social Media fragten.

So zeigte sich im Verlauf der Fokusgruppen, dass die Eingrenzung und Bestimmung von Social Media allen Beteiligten schwerfällt. So äusserten sowohl Studierende als auch Dozierende, dass Social Media eigentlich an sich nichts Neues sind, sondern bereits Bekanntes in einer neuen Form. Ein Stück weit verdeutlicht dies das folgende Zitat: „ich weiss auch nicht viel mehr darüber, aber ich nutze viele Sachen davon glaube ich schon“ (Zitat Fokusgruppe 1).

In den Fokusgruppen wurde der Definitionsbedarf, den auch wir verspüren, thematisiert: Wichtig sei für die Zukunft, dass definiert ist, was wir an der FHNW unter Social Media Media verstehen und welche Ziele wir damit erreichen wollen. Gewünscht wird sowohl auf der Seite von Studierenden als auch Dozierenden ein gemeinsames Konzept für den Einsatz und die Nutzung von Social Media. Welche Social Media werden – im Sinne eines gemeinsamen Pools – wozu eingesetzt und wo liegen die Grenzen dieses Einsatzes? Dozierende wünschen sich eine Übersicht über verfügbare und sinnvolle Tools. Sie möchten sich in Sicherheit fühlen, die wichtigen Tools richtig einzusetzen, sowohl aus qualitativer als auch quantitativer Sicht. Studierenden hingegen wünschen

sich die Gewissheit darüber, dass sie über alle notwendigen Informationen verfügen. Von ihnen erfuhren wir von den Anstrengungen, den Lerninhalten auf unterschiedlichen Plattformen „hinterherzurennen“ und von den Befürchtungen, (prüfungs-)relevante Informationen zu verpassen.

Für die Fokusgruppen hatten wir eine mögliche Definition vorbereitet, die wie erwartet kommentiert und korrigiert wurde. Für den weiteren Verlauf der Initiative setzen wir jetzt folgende überarbeitete Version unserer Definition voraus:

Definition Social Media

  • Social Media sind internetbasierte Medien, die es Nutzern und Nutzerinnen ermöglichen, einzeln oder gemeinsam mediale Inhalte zu gestalten und untereinander auszutauschen. Im Fokus steht der user generated content. Die zwei Schwerpunkte sind Themen und Personen. Die Gewichtung dieser beiden Schwerpunkte kann je nach Tool und dessen Nutzung variieren.
  • Zentrale Merkmale aus der Perspektive Lehren und Lernen sind:
    • Soziale Interaktion (Kommunikation und/oder Kollaboration) wird ermöglicht, dabei  werden mediale Monologe (one-to-one/one-to-many) durch Dialoge (many-to-many) erweitert oder abgelöst.
    • Social Media ermöglicht die Demokratisierung von Inhalte: Inhalte können von allen zur Verfügung gestellt und genutzt werden. Bestehende Hierarchien werden aufgebrochen und teilweise durch neue soziale Strukturen abgelöst.

Wie bereits berichtet, wurde in den Fokusgruppen diskutiert, dass sich Social Media thematisch auf Personen (Social Networks) und/oder Themen (inhaltliche Gegenstände) beziehen. Trennen lassen sich diese Aspekte kaum. Manche Plattformen, wie Facebook, Linked in und Xing beziehen sich auf den ersten Blick eher auf den Aufbau eines Kontaktnetzwerkes. Dennoch können sie auch in Bezug auf andere Inhalte genutzt werden. Ich zum Beispiel nutze regelmässig die Facebook-Seiten von Bibliotheken in meiner Nähe, um immer auf dem neusten Stand zu sein. Das hat wenig mit Personen zu tun – vielmehr mit Orten und Büchern.

Demokratisierung bedeutet dabei, dass Inhalte nicht mehr nur von einem dazu beauftragten Absender oder einer Absenderin kommuniziert werden, sondern dass alle die Möglichkeit haben, Inhalte bereitzustellen. Dies kann wiederum bedeuten, dass für eine gelingende Kommunikation und Kollaboration neue soziale Strukturen und Rollen gefunden werden müssen, wie beispielsweise jene der Moderation.

Beispiele für Social Media sind also Netzwerke, Plattformen und Portale zum persönlichen und gegenstandsbezogenen Vernetzen, zum Bereitstellen und Austauschen von Informationen, zum Kommentieren, Unterhalten und Zusammenarbeiten, unabhängig von den spezifischen Technologien und Kanälen. Das interaktive Element ist also zentral (was sich auch hinter dem Begriff „Web 2.0“ verbirgt). Oder mit einem Zitat aus unseren Fokusgruppen: „mitenand und fürenand öppis mache“ (Zitat Fokusgruppe 1).

In diesem Sinne wünschen wir uns weiterhin Unterstützung, Feedback und viele Kommentare von allen Studierenden und Mitarbeitenden der FHNW!